Rachsucht

Es war ein wundervoller Anblick sie zu sehen. Zu sehen, wie sie sich unter meinen Augen wandt und winselte, weinte. Die salzigen Tränen vermischten sich mit ihrem Blut und ich lächelte.
Endlich hatte ich mein Ziel erreicht. Sie lag am Boden, zwischen dem roten Ford und dem schwarzen Mini, auf dem Parkplatz des Supermarktes. Ihr blondes Haar glänzte nicht, wie sonst, sondern war verfilzt von ihrem eigenen Blut und dem Schmutz, der den Parkplatzasphalt überzog.
Die neue Markenjeans war zerrissen, fleckig und nicht mehr auch nur ansatzweise so schön, wie heute morgen noch, genau so, wie ihre weinrote Jacke. Einer der beiden großen Knöpfe fehlte und ein Ärmel war so zerfetzt, dass er nicht mehr als solcher zu erkennen war. Sie trug keine Schuhe. Ich hatte sie in der linken Hand, zusammen mit ihrem Handy. Ihren Haustürschlüssel und das Portmonai umklammerten die Finger meiner Linken so fest, dass die Knöchel weiß hervor traten.
Wieder winselte sie erbärmlich. Aber ich dachte gar nicht daran Gnade walten zu lassen. Was sie mir angetan hatte würde ich ihr niemals verzeihen können. Wann hatte sie schon erbarmen mit mir gehabt? Wann hatte sie mich nicht herablassend angesehen? Wann hatte sie nicht noch einmal nachgetreten, als ich schon längst am Boden lag?
Ich hob das rechte Bein an und stieß es mit aller Wucht gegen ihren Brustkorb. Ein schmerzlicher Schrei erbrach aus ihr und ich trat gleich nochmal zu. Das Leid in ihrer Stimme zu hören stillte meinen Durst nach Rache, beglückte mich unglaublich und ließ mich neue Kraft schöpfen. Ein Lachen drang aus meinem Mund und ich achtete sorgfältig darauf, dass sie es hörte. Um ganz sicher zu gehen stellte ich einen Fuß auf ihrer Schulter ab und drückte sie hinunter, damit sich ihr Körper auf den Rücken drehte.
Schwach versuchte sie es zu verhindern, aber ich trat sie fest gegen die Rippen, sodass sie sich vor Schmerz krümmend auf den Rücken fallen ließ. Ihr Brustbein war so verlockend präsentiert. Ich konnte einfach zutreten. Ich konnte ihr die Zähne ausschlagen, die Nase brechen oder das Schlüsselbein. Ich war in der Lage ihr jede einzelne Rippe zu brechen und den Kiefer gleich mit.
Noch einmal hörte ich das flehende Klagen aus ihrer Kehle dringen und wieder lachte ich höhnisch. Gerade sie hätte es wissen müssen, dass man es einfach nicht schaffte, im schönsten Moment aufzuhören. Und darum ließ ich ihre Wertsachen ins Handschuhfach des Minis gleiten, knallte die Tür zu, öffnete die Kofferraumtür und beugte mich dann tief über sie. Meine Nasenspitze berührte fast ihre und ich spürte ihren rasselnden Atem in meinem Gesicht, roch den Gestank ihres Blutes und der Tränen.
"Ich habe dich auf Händen getragen! Ich habe dir die Welt zu Füßen gelegt, meine Welt!", zischte ich neben ihren Ohr und verschlang ihre verzweifelten Blicke. Sie machten mich süchtig!
"Aber du hast sie zertreten, niedergeschlagen, zerstört, bis alles in Trümmern lag! Immer und immer wieder habe ich sie aufebaut um sie dir erneut zu schenken, aber du hast sie immer und immer wieder dem Erdboden gleich gemacht. Sie war zerstört, meine Welt, wie ich sie mir aufgebaut hatte, und trotzdem hast du nicht aufgehört dich daran zu erfreuen, wie ich leide. Aber jetzt ist alles anders! Jetzt liegst du auf dem Boden, schmeckst dein eigenes Blut und spürst den Schmerz! Jetzt zerstöre ich deine Welt!". Sie röchelte und es klang, als würde sie an ihrer Angst ersticken. Es freute mich unendlich, wie sehr sie litt. Offensichtlich wünschte sie sich nichts sehnlicher, als in Sicherheit zu sein, zu leben und den letzten Wunsch würde ich ihr erfüllen.
"Aber dafür brauche ich dich. Du sollst doch zusehen, wie deine Welt zusammenbricht!", flüsterte ich krächzend vor Freude. Ich griff nach ihren Handgelenken und umgriff sie fest. In ihren weit aufgerissenen Augen lag Entsetzen, als ich sie hochriss und gewaltsam in den Kofferraum hiefte und sie besessen anstarrte.
"Ich freue mich drauf!", grinste ich boshaft und knallte die Tür zu. Lächelnd setzte ich mich ans Steuer, startete den Motor und drückte aufs Gaspedal. Der Wagen rollte vom Parkplatz und zurück blieb nur der rote Ford und ihr dunkles Blut auf dem Asphalt.

Somniahortus©

 

Hey Leute!
Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr mir mal ein Kommentar da lasst, in dem ihr schreibt, wer dieser Jemand ist, der SIE entführt. Welches Geschlecht, welche Haarfarbe, welche Hinterründe es gibt für diese Tat. Es ist ein kleines Experiment.
Danke schon mal!

Eure Somalia 

28.3.15 21:21, kommentieren